Entweder wusste der Markt bereits, dass der Supreme Court Donald Trumps Zölle kippen würde, oder die Anleger sind so sehr auf den Abverkauf im Technologiesektor und die aktuelle Sektorrotation fixiert, dass sie nichts anderes wahrnehmen – weder das Urteil, das die Einfuhrabgaben für rechtswidrig erklärte, noch die sich zuspitzenden Spannungen im Nahen Osten. Das erklärt die verhaltene Reaktion des S&P 500 auf eine neue Welle der Unsicherheit.
Einige Händler waren überzeugt, dass Trump nicht zurückweichen würde und dass sein Team einen neuen Weg finden würde, die US-Staatskasse über Abgaben wieder aufzufüllen. Vor diesem Hintergrund sind die Einführung eines neuen globalen 10%-Zolls durch den Präsidenten – und seine spätere Drohung, diesen auf 15% anzuheben – ein Beleg dafür, dass das Weiße Haus nicht bereit ist nachzugeben. Die Rückforderung bereits gezahlter Einfuhrabgaben ist jedoch keine schnelle Lösung: Benachrichtigungen dauern Tage oder Wochen, und die Rückzahlung des Geldes würde sich über Monate hinziehen.
Dynamik der Handelsspannen des S&P 500

Unterdessen konzentriert sich der Markt auf etwas anderes – Rotation. Der S&P 500 bewegt sich in einer seiner engsten Handelsspannen seit den 1960er-Jahren, doch unter dieser äußeren Ruhe herrscht enorme innere Spannung.
Die Volatilität der volatilsten Aktien ist siebenmal so hoch wie die des S&P 500 – eine Differenz, wie sie in den vergangenen dreißig Jahren nicht zu beobachten war. Ähnliche Phasen stark erhöhter Streuung traten während der globalen Finanzkrise 2008 auf und als das Weiße Haus am Freedom Day im April seine härtesten Zölle seit den 1930er-Jahren verhängte.
Volatilitätsdynamik: Gewinner/Verlierer und S&P 500
Der Markt sendet Warnsignale. Eine deutliche Abschwächung des US-Wachstums – von 4,4 % auf 1,4 % im vierten Quartal – wirft Zweifel am Nutzen einer Rotation auf. Small-Cap-Titel, die stark vom BIP abhängen, dürften von einer abkühlenden Konjunktur kaum profitieren.
In diesem Umfeld ist es sehr wahrscheinlich, dass Anleger ihren Blick verstärkt ins Ausland richten. Während der S&P 500 sich in diesem Jahr kaum bewegt hat, ist der MSCI World ex USA Index bereits um etwa 8 % gestiegen. Daten von Bank of America zeigen, dass US-Aktienzuflüsse im Jahr 2026 nur noch 26 US-Dollar von jeweils 100 investierten US-Dollar ausmachten – der schwächste Wert seit 2020 und weit unter den 92 US-Dollar, die 2022 verzeichnet wurden.

Ein ausschließlich amerikanisch geprägtes Denken dürfte der Vergangenheit angehören, und die Feststellung des Supreme Court, dass Trumps Zölle rechtswidrig waren, könnte die Entwicklung für US-Vermögenswerte weiter verschlechtern. In der Tat legten die asiatischen Aktienindizes nach den Nachrichten deutlich zu, da die Region ein zentraler Profiteur eines möglichen Abbaus der US-Einfuhrabgaben sein könnte.
Aus technischer Sicht befindet sich der S&P 500 im Tageschart weiterhin in einer mittelfristigen Konsolidierungsphase. Ohne einen Ausbruch aus der Spanne von 6.800 bis 7.000 wird es dem breiten Index schwerfallen, einen klaren Trend auszubilden. Innerhalb dieses Kanals ist ein Ausbruch über den Widerstand bei 6.910 zu beobachten. Ein Rücksetzer vom Pivot-Niveau wäre ein Verkaufssignal, während ein nachhaltiger Ausbruch darüber für Käufe spricht.
