Das Dollar/Yen-Paar legte am Dienstag deutlich zu, obwohl die amerikanische Währung insgesamt schwach war. Der U.S. Dollar Index dümpelt träge um das Niveau von 98, während das USD/JPY-Paar innerhalb weniger Stunden fast 200 Punkte nach oben gesprungen ist und den Widerstand bei 156,20 testet (die Untergrenze der Kumo-Wolke im Tageschart).

Diese Preisdynamik wird durch mehrere miteinander verknüpfte fundamentale Faktoren angetrieben.
Takaichi-Faktor
Der Auslöser für den Anstieg von USD/JPY waren Informationen der einflussreichen japanischen Publikation Mainichi Shimbun, die berichtete, dass Premierministerin Sanae Takaichi bei einem Treffen mit dem Gouverneur der Bank of Japan, Kazuo Ueda, ernsthafte Bedenken hinsichtlich weiterer Zinserhöhungen geäußert habe. Diese Information ist inoffiziell – laut dem offiziellen Regierungsbericht „erörterten die Parteien die wirtschaftlichen und finanziellen Rahmenbedingungen, ohne dass es konkrete Forderungen der Premierministerin zur Geldpolitik gab“.
Obwohl die Insiderinformation nicht bestätigt wurde, löste sie erhebliche Volatilität im Währungspaar USD/JPY aus – erwartungsgemäß nicht zugunsten des Yen. Der Bericht von Mainichi Shimbun klingt durchaus plausibel, wenn man bedenkt, dass die amtierende Premierministerin eine Befürworterin der sogenannten „Abenomics“ ist, die auf Konjunkturbelebung (durch expansive Staatsausgaben) und eine lockere Geldpolitik setzt.
Zur Erinnerung: Anfang Februar konnte Takaichi ihre Machtbasis festigen: Ihre regierende Liberal Democratic Party sicherte sich im Unterhaus des Parlaments mit 316 von 465 Sitzen eine verfassungsändernde Mehrheit. Takaichi kann nun eine akkommodierende Politik umsetzen, ohne auf die Meinung der Koalitionspartner Rücksicht nehmen zu müssen. So hat das Kabinett bereits mit der Vorbereitung begonnen, die Verbrauchssteuer auf Lebensmittel von derzeit 8 % auf null zu senken, obwohl diese Entscheidung zu jährlichen Steuerausfällen von rund 5 Billionen Yen führen dürfte.
Zuvor hatte die Premierministerin ein umfangreiches Konjunkturpaket im Volumen von 21,3 Billionen Yen gebilligt. Logischerweise wird Takaichi bei einer derart aggressiven akkommodierenden Politik die Unterstützung der Bank of Japan in Form einer weichen Geldpolitik benötigen. Vor diesem Hintergrund wirkt die Insiderinformation von Mainichi Shimbun durchaus schlüssig: Unter den gegebenen Umständen ist zu erwarten, dass die Premierministerin Druck auf die Zentralbank ausübt, damit diese ihre Politik an ihren wirtschaftspolitischen Zielen ausrichtet.
Aus diesem Grund nahm der Markt die Insiderinformation ernst, während die offizielle Pressemitteilung weitgehend ignoriert wurde.
Darüber hinaus werfen sowohl die Inflationsdynamik als auch das Wirtschaftswachstum Japans Fragen nach der Angemessenheit weiterer Zinserhöhungen bei den kommenden Sitzungen im März oder April auf.
Nationaler Verbraucherpreisindex
Den in der vergangenen Woche veröffentlichten Daten zufolge fiel der nationale Verbraucherpreisindex im Januar auf 1,5 %, nach zuvor 2,1 % (Prognose: Rückgang auf 1,6 %) – den niedrigsten Stand seit 2022. Der Index ist damit den dritten Monat in Folge gesunken und hat zum ersten Mal seit 45 Monaten die Marke von 2 % unterschritten. Der Kern-VPI ohne frische Lebensmittelpreise ging auf 2,0 % zurück (der niedrigste Wert seit März 2022). Auch hier zeichnet sich ein Abwärtstrend ab: Der Indikator ist bereits den zweiten Monat in Folge rückläufig. Der Verbraucherpreisindex ohne Nahrungsmittel und Energie verlangsamte sich auf 2,6 %.
Staatliche Subventionen, Senkungen der Treibstoffsteuern und Basiseffekte spielten eine zentrale Rolle bei der Abschwächung der Inflation im Januar. Gleichzeitig bremsen auch tiefere (strukturelle) Veränderungen in der japanischen Wirtschaft den Preisanstieg. So zeigen sich japanische Verbraucher deutlich zurückhaltender bei ihren Ausgaben; für Dezember und Januar wurden Rückgänge der Konsumaktivität registriert. Zudem spielte auch der „Lohnfaktor“ eine Rolle: Die Reallöhne (preisbereinigt) stagnierten im Januar.
Der Abwärtstrend beim VPI ermöglicht es der Bank of Japan, die nächste Zinsanhebungsrunde hinauszuschieben – zumal die Daten zum BIP-Wachstum schwach ausgefallen sind.
Japans BIP
In der vergangenen Woche wurden wichtige Daten zum Wachstum der japanischen Wirtschaft veröffentlicht. Demnach ist das BIP im vierten Quartal des vergangenen Jahres gegenüber dem Vorquartal nur um 0,1 % gewachsen und blieb damit deutlich hinter den Prognosen von +0,4 % zurück. Auf Jahressicht legte die japanische Wirtschaft lediglich um 0,2 % zu und erholte sich damit nur geringfügig vom starken Einbruch im dritten Quartal (-2,3 %).
Diese schwache Dynamik ist unter anderem auf eine Konsumnachfrageschwäche, Handelsbarrieren (US-Protektionsismus + diplomatischer Konflikt mit China) und einen Rückgang der staatlichen Investitionen zurückzuführen (die Effekte von Takaichis Konjunkturpolitik werden sich erst im Laufe der ersten Jahreshälfte voll entfalten).
Fazit
Die Kombination aus nachlassender Inflation (1,5 %) und stagnierendem BIP (0,1 %) vor dem Hintergrund „taubenhafter“ Gerüchte über Takaichis Druck auf die BoJ hat neue Zweifel an den Aussichten der Zentralbank für weitere Zinserhöhungen geweckt. Dieses fundamentale Umfeld lastet deutlich auf dem Yen und stützt damit die Käufer im Währungspaar USD/JPY.
Aus technischer Sicht befindet sich das Währungspaar USD/JPY im Vier-Stunden-Chart an der oberen Linie der Bollinger Bands und über allen Linien des Ichimoku-Indikators, der ein bullisches „Parade of Lines“-Signal ausgebildet hat. All dies spricht für eine Priorisierung von Long-Positionen. Abwärtskorrekturen können als Gelegenheit genutzt werden, Long-Positionen zu eröffnen – mit einem ersten (und bislang einzigen) Ziel bei 156,20 (der Untergrenze der Kumo-Wolke im Tageschart).
