
Heute hat das Währungspaar EUR/USD erneut versucht, die psychologisch wichtige Marke von 1,1800 nach oben zu durchbrechen und damit die moderaten Verluste vom Montag wieder wettzumachen. Die intraday-Verstärkung des Paares steht im Zusammenhang mit einer erneuten Verkaufswelle beim US-Dollar, der angesichts anhaltender Unsicherheit in Bezug auf die Handelsbeziehungen weiter unter Druck steht. Nachdem der Supreme Court umfassende Zölle abgelehnt hatte, kündigte US-Präsident Donald Trump ein neues Zollsystem an und bestätigte damit faktisch, dass seine Handelsstrategie unverändert bleibt. In seiner Rede zur Lage der Nation erklärte Trump, dass das Weiße Haus gemäß Artikel 122 vorübergehende weltweite Zölle von 10 % für 150 Tage eingeführt habe und dass die Regierung anstrebe, diese Zölle auf 15 % anzuheben. Dies hat die Sorgen über mögliche Vergeltungsmaßnahmen anderer Länder sowie über die negativen wirtschaftlichen Folgen von Störungen der globalen Lieferketten verstärkt. All dies lastet auf dem US-Dollar und stützt das Währungspaar EUR/USD in moderatem Umfang.

Gleichzeitig bleibt die insgesamt positive Stimmung gegenüber dem US‑Dollar dank der restriktiven Rhetorik des Federal Reserve System relativ robust. Das Protokoll der FOMC‑Sitzung im Januar zeigte, dass mehrere Fed‑Vertreter weitere Lockerungen der Geldpolitik für nicht gerechtfertigt halten, solange es keine klaren Anzeichen für einen erneuten Disinflationsprozess gibt. Zudem merkte die Präsidentin der Boston Fed, Susan Collins, am Dienstag an, dass es angemessen sei, die aktuelle Zielspanne „für einige Zeit“ beizubehalten. Unterdessen betonte der Präsident der Richmond Fed, Thomas Barkin, dass die aktuelle geldpolitische Ausrichtung gut geeignet sei, um die mit dem Konjunkturausblick verbundenen Risiken zu steuern.
Auf der anderen Seite erklärte am Montag Christine Lagarde, Präsidentin der European Central Bank, dass sich Inflation und Geldpolitik im Euroraum derzeit in einer komfortablen Position befinden. Lagarde bekräftigte ihre bisherige Einschätzung, dass kurzfristig keine Änderungen der geldpolitischen Parameter zu erwarten sind, was der Gemeinschaftswährung und dem Währungspaar EUR/USD zusätzlichen Rückenwind verleiht. Am selben Tag beschloss das Europäische Parlament, die Abstimmung über das Handelsabkommen zwischen der European Union und den United States zu verschieben. Dies hält Händler davon ab, aggressive Long‑Positionen in EUR/USD aufzubauen, wodurch das weitere Aufwärtspotenzial begrenzt wird.
Für bessere Handelschancen sollte der Fokus auf der Veröffentlichung der endgültigen Verbraucherpreisinflationsdaten im Euroraum liegen. Später, während der nordamerikanischen Sitzung, lohnt sich zudem ein genauer Blick auf die Reden wichtiger FOMC‑Mitglieder.
Das oben skizzierte gemischte fundamentale Umfeld spricht dennoch dafür, auf aggressive Positionsnahmen in eine bestimmte Marktrichtung zu verzichten.
Aus technischer Sicht befindet sich der Relative Strength Index weiterhin im negativen Bereich, was auf eine Schwäche der Bullen hindeutet. Gelingt es dem Paar nicht, sich oberhalb der 50‑Tage‑SMA zu behaupten, läge die nächste Unterstützung am Februartief um 1,1740. Ein Durchbruch darunter könnte den Rückgang in Richtung der psychologisch wichtigen Marke von 1,1700 beschleunigen. Auf der Oberseite könnten die Bullen wieder an Dynamik gewinnen, falls der Kurs das Niveau von 1,1800 überwindet und die 20‑Tage‑SMA erreicht. Erwähnenswert ist außerdem, dass die entscheidende 200‑Tage‑SMA nach oben gerichtet ist, was darauf hindeutet, dass der übergeordnete Trend des Paares weiterhin bullisch bleibt.
Die nachstehende Tabelle zeigt die prozentuale Veränderung des US‑Dollars gegenüber den wichtigsten Weltwährungen im Tagesverlauf, wobei die stärkste Entwicklung gegenüber dem japanischen Yen zu beobachten ist.
