Der Devisenmarkt ist wie eingefroren und wartet auf die Klärung der wichtigsten Frage dieser Woche. Heute läuft das Ultimatum von Donald Trump an den Iran aus, und dann wird sich zeigen, ob sich der aktuelle Konflikt zu einer neuen Welle von Kampfhandlungen ausweitet oder ob die Parteien sich auf einen vorläufigen Waffenstillstand verständigen und an den Verhandlungstisch zurückkehren. Die Zeit drängt, und daher haben EUR/USD-Händler eine defensive Haltung eingenommen.

Das Währungspaar handelt nun bereits den zweiten Tag in Folge in einer engen Spanne, und die Trader haben sogar eine wichtige makroökonomische Veröffentlichung – den ISM-Index –, der gestern in den USA publiziert wurde, weitgehend ignoriert. All dies deutet darauf hin, dass die weitere Richtung von EUR/USD derzeit vollständig von der Geopolitik abhängt, konkret von den nächsten Schritten Washingtons und der Reaktion Teherans. Bis zum Ende des heutigen Tages wird sich entweder die Risikobereitschaft wieder erholen (wovon unter anderem der Euro profitieren würde) oder der Dollar wird seine Stärke als sicherer Hafen erneut ausspielen.
Obwohl nur noch wenige Stunden bis zum Ablauf des Ultimatums verbleiben, ist weiterhin unklar, ob die Parteien zu einem Kompromiss bereit sind. Laut The New York Times hat Teheran den USA einen 10-Punkte-Plan zur Beilegung des Konflikts vorgelegt, der die vollständige Aufhebung der Sanktionen gegen den Iran, die Beendigung der Luftangriffe und Garantien für Nichtangriff fordert. Zudem verlangen die Iraner Entschädigungszahlungen der USA für die Wiederherstellung beschädigter Infrastruktur – im Grunde also Reparationen. Hinsichtlich der Zukunft der Straße von Hormus formulierte Teheran eigene Bedingungen: Der Iran würde die Route wieder freigeben, schlägt jedoch eine Gebühr von 2 Millionen US-Dollar pro Schiff vor. De facto würde die Straße von Hormus damit zu einer kommerziellen Passage, ähnlich dem Suezkanal oder dem Panamakanal.
Bemerkenswert ist, dass Donald Trump die iranischen Vorschläge nicht sofort vom Tisch wischte – er bezeichnete sie als ein „substanzielles Angebot“, allerdings „nicht gut genug“. Aufgrund von Trumps widersprüchlichen Aussagen lässt sich die Wahrscheinlichkeit einer Einigung nicht eindeutig einschätzen. Die Spannung bleibt hoch, und damit sind sämtliche Trading-Entscheidungen in EUR/USD weiterhin mit erheblichen Risiken behaftet.
Sollten sich die Parteien auf einen vorübergehenden Waffenstillstand verständigen, dürfte das Währungspaar sprunghaft in den Bereich von 1,16 anziehen, getrieben von einer Rückkehr der Risikobereitschaft. In diesem Szenario würden makroökonomische Daten wieder stärker in den Vordergrund rücken, und die meisten dieser Veröffentlichungen sprächen momentan eher gegen den Dollar.
Zur Erinnerung: Die starken NFP-Headline-Zahlen für März konnten den Markt nicht wirklich beeindrucken. Bei genauerem Hinsehen offenbaren die Daten anhaltende strukturelle Probleme. So ist etwa die offizielle Arbeitslosenquote zwar von 4,4 % auf 4,3 % gesunken. Auf den ersten Blick wirkt dies positiv, doch der Rückgang ist nicht das Ergebnis kräftiger Einstellungen – vielmehr geben viele Menschen die Arbeitssuche aufgrund mangelnder Perspektiven oder aus Enttäuschung über den Arbeitsmarkt auf. Die Erwerbsquote fiel auf 61,9 % und signalisiert damit ein sinkendes Arbeitskräfteangebot. Zugleich führt die Methodik des BLS dazu, dass die Rückkehr von Beschäftigten nach Streiks als neue Jobs gewertet wird, was die Arbeitslosenquote rein rechnerisch drückt. Die Langzeitarbeitslosigkeit – also die Zahl der Personen, die seit mehr als 27 Wochen ohne Job sind – ist im Jahresverlauf um 322.000 gestiegen. Bemerkenswert ist außerdem, dass auch der Anstieg der NFP-Headline-Zahl im März (+178.000) in erheblichem Maße von einem technischen Faktor getrieben war: Das BLS erfasste die Rückkehr der Streikenden (im Februar hatte es umfangreiche Streiks im Gesundheitssektor gegeben) als „Stellenaufbau“, obwohl es sich faktisch lediglich um die Wiedereinstellung in die vorherigen Positionen handelte.
Der gestern in den USA veröffentlichte ISM-Index für den Dienstleistungssektor warf ebenfalls mehr Fragen auf, als er beantwortete. Zwar liegt der Gesamtindex weiterhin im Expansionsbereich, er verlangsamte sich jedoch von 56,1 auf 54,0. Die Struktur des Berichts signalisiert dabei eher negative Tendenzen. Besonders auffällig ist der Einbruch des Beschäftigungsunterindex um 6,6 Punkte (von 51,8 auf 45,2), womit dieser erstmals seit vier Monaten wieder in den Kontraktionsbereich fiel. Mehrere Faktoren erklären diese Entwicklung: ein Mangel an Fachkräften sowie Einstellungsstopps infolge zunehmender Unsicherheit und hoher Kosten.
Darüber hinaus weist der ISM-Bericht auf eine starke Abschwächung der Geschäftsaktivität hin: Der entsprechende Subindex fiel von 59,9 auf 53,9. Dies ist der niedrigste Wert seit September des vergangenen Jahres. Besonders der Einzelhandel und der Gesundheitssektor litten, dort schrumpft die Geschäftsaktivität bereits. Gleichzeitig sprang der Subindex „prices paid“ von 63,0 im Februar auf 70,7 – den höchsten Stand seit Oktober 2022. All dies deutet auf wachsende Stagflationsrisiken hin.
Damit sprechen sowohl der schwache NFP-Bericht als auch das gemischte Bild beim ISM-Dienstleistungsindex gegen den Greenback, doch ist es derzeit äußerst riskant, Long-Positionen in EUR/USD aufzubauen. Der weitere Verlauf des Währungspaares hängt maßgeblich davon ab, inwieweit die USA und der Iran zu einer Einigung bereit sind. Läuft alles auf eine Deeskalation hinaus, dürfte das Paar – unterstützt von schwachen Makrodaten – in Richtung 1,16 tendieren. Setzt Trump seine Drohungen jedoch in die Tat um, wird der Dollar als sicherer Hafen erneut gesucht sein und EUR/USD in Richtung 1,14 fallen, hin zur Unterstützung bei 1,1440 (unteres Bollinger-Band im D1-Chart). In einer derart unsicheren Lage bietet es sich an, in Bezug auf dieses Währungspaar vorerst eine abwartende Haltung einzunehmen.
