
Zum Zeitpunkt der Erstellung dieses Artikels am Donnerstag fiel AUD/USD auf etwa 0,6916 und verlor damit rund 0,50 % im Tagesverlauf. Der australische Dollar gibt gegenüber dem US-Dollar nach, obwohl die Reserve Bank of Australia (RBA) in dieser Woche beschlossen hat, den Leitzins anzuheben. Steigende Renditen von US-Staatsanleihen setzen die australische Währung unter Druck und stützen den US-Dollar.
Am Dienstag erhöhte die RBA den Leitzins um 25 Basispunkte auf 4,6 %. Dies war die vierte Anhebung um 25 Basispunkte in diesem Jahr. RBA-Gouverneurin Michelle Bullock deutete zudem auf die Möglichkeit weiterer Straffungsschritte hin, da die Notenbank darauf abzielt, die Inflation wieder auf das 2 %-Ziel zurückzuführen.
Die am Donnerstag veröffentlichten Handelsdaten deuten jedoch auf eine sich eintrübende wirtschaftliche Lage in Australien hin. Der Handelsüberschuss des Landes brach von 1,351 Mrd. AUD im Juli auf 495 Mio. AUD im August ein. Die Importe stiegen um 5,8 %, nachdem sie im Vormonat um 2,4 % gesunken waren, während die Exporte um 3,7 % zulegten, nach einem Rückgang um 3,6 %.
Der Druck auf AUD/USD hängt weitgehend mit der Stärke des US-Dollars zusammen, der von den steigenden Renditen der US-Staatsanleihen gestützt wird. Zum Zeitpunkt der Erstellung liegt die Rendite 10-jähriger US-Staatsanleihen bei etwa 5,24 %, nachdem sie zuvor etwa 5,34 % erreicht hatte – den höchsten Stand seit 2002.
Neue US-Daten bestätigen zudem die Widerstandsfähigkeit der amerikanischen Wirtschaft. Die Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe für die Woche bis zum 26. September gingen auf 197.000 zurück (von 198.000 in der Vorwoche) und lagen damit unter der Prognose von 201.000. Die fortgesetzten Anträge sanken um 11.000 auf 1,701 Millionen.
Der ADP-Bericht zeigte, dass die Beschäftigung im privaten Sektor im September um 90.000 Stellen zunahm und damit die Prognose von 70.000 sowie den Zuwachs von 36.000 im August übertraf. Die Schätzung des US-BIP für das 2. Quartal wurde ebenfalls nach oben revidiert – auf annualisiert 2,2 % gegenüber zuvor gemeldeten 1,5 %.
Die Aktivität im verarbeitenden Gewerbe bleibt erhöht. Der ISM-Einkaufsmanagerindex für das verarbeitende Gewerbe (Manufacturing PMI) fiel im September leicht auf 54,5 nach 54,6 im August und verfehlte damit die erwarteten 55,0. Die wichtigsten Komponenten bleiben jedoch solide: Der Beschäftigungsindex stieg auf 52,7, und die Neuaufträge kletterten auf 55,3. Der Preisindex („prices paid“) sprang deutlich von 71,1 auf 77,9 und signalisiert anhaltenden Preisauftrieb.
Die Kombination aus solider wirtschaftlicher Aktivität und anhaltendem Inflationsdruck verschafft der Federal Reserve Spielraum, eine restriktive („hawkish“) Geldpolitik beizubehalten. Die Erwartungen weiterer Straffungsschritte gingen jedoch etwas zurück, nachdem die Kern-PCE-Daten am Mittwoch moderater als erwartet ausfielen. Laut dem CME FedWatch Tool preisen die Märkte die Wahrscheinlichkeit einer Zinserhöhung auf der Sitzung am 27.–28. Oktober nun bei etwa 36 % ein.
Somit stützen die hohen Renditen von US-Staatsanleihen und die Aussicht auf eine länger anhaltende straffe US-Geldpolitik den US-Dollar und belasten AUD/USD, trotz der jüngsten Zinserhöhung der RBA.
Aus technischer Sicht bleibt AUD/USD im Abwärtstrend: Der jüngste Bruch unter die wichtige 200-Tage-EMA spielt den Bären in die Hände. Die Notierungen liegen zudem deutlich unter dem einfachen gleitenden 100-Perioden-Durchschnitt und dem 200-Perioden-SMA, was das bärische Szenario zusätzlich untermauert. Die Oszillatoren sind negativ und bestätigen den Vorteil der Bären. Der RSI befindet sich im überverkauften Bereich, was auf eine mögliche technische Gegenbewegung hindeutet, doch dürfte jede Korrektur begrenzt bleiben.
